Gunter Cornehl 2009

Mein Schopenhauer

 

 

Erkenntnisgewinn und Zuversicht. Warum soll denn Ihnen nicht  das Gleiche  passieren wie mir? In einer Phase des Umbruchs und der Heilung erlebe ich das Lesen von Arthur Schopenhauer mit großer Freude und Bereicherung neu und stelle hier einfach mal eine kleine Auswahl der Zeilen von ihm ein, die mir besonders eingängig sind, womit ich denn auch beginnen will.
 
 
Eingängigkeit
Das, was man am Richtigsten erkennt, erkennt man so unmittelbar, so deutlich und sicher, daß man es gar nicht ins reflektierte Bewußtsein bringt, sondern bloß wie instinktmäßig danach handelt; also geht eine solche Erkenntnis ins Handeln über, ohne ins deutliche Bewußstsein gekommen zu sein. - Daher verfolgt und ergreift jeder, dem nicht von außen oder von seinen eigenen falschen Begriffen Gewalt geschieht , das ihm Angemessene, ohne sich darüber Rechenschaft geben zu können. Das ist der 'Leitstern, der geheime Zug', der jeden richtig auf den Weg bringt, der für ihn der allein rechte ist, und dessen gleichmäßige individuelle Richtung er erst gewahr  wird, wenn er ihn zurückgelegt hat. - Aus: "Kleines Schopenhauer-Brevier". Auswahl und Nachwort von Rudolf Malter. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 1987 -
 
 
Mut, Feigheit und Geduld
Die Alten zählten den Mut zu den Tugenden, die Feigheit den Lastern bei: dem christlichen Sinne, der auf Wohlwollen und Dulden gerichtet ist und dessen Lehre alle Feindseligkeiten, eigentlich sogar den Widerstand verbietet, entspricht dies nicht; daher es bei den Neuern weggefallen ist. Dennoch müssen wir zugeben, daß Feigheit uns mit einem edlen Charakter nicht wohl verträglich scheint - schon wegen der übergroßen Besorgnis um die eigene Person, welche sich darin verrät. Der Mut nun aber läßt sich auch darauf zurückführen, daß man den im gegenwärtigen Augenblick drohenden Übeln willig entgegengeht, um dadurch größeren in der Zukunft liegenden vorzubeugen;   während   die
Feigheit es umgekehrt hält. Nun ist jenes erstere der Charakter der Geduld, als welche eben in dem deutlichen Bewußtsein besteht, daß es noch größere Übel als die eben gegenwärtigen gibt und man durch heftiges Fliehen oder Abwehren dieser, jene herbeiziehen könnte. Demnach wäre dann der Mut eine Art Geduld, und weil eben diese es ist, die uns zu Entbehrungen und Selbstüberwindungen jeder Art befähigt, so ist mittels ihrer auch die Geduld der Tugend wenigstens verwandt.- Doch läßt es vielleicht noch eine höhere Betrachtungsweise zu. Man könnte nämlich alle Todesfurcht zurückführen auf einen Mangel an derjenigen natürlichen, daher auch bloß gefühlten Metaphysik, vermöge welcher der Mensch die Gewißheit in sich trägt, daß er in allen, ja in allem ebensowohl  existiert wie in seiner eigenen Person, deren Tod ihm daher wenig anhaben kann. - Aus: "Schopenhauer für Gestreßte". Ausgewählt von Ursula Michels-Wenz, insel taschenbuch, 1. Auflage 2000, S.101f -
 
 
Heiterkeit   
Heiterkeit ist unmittelbarer Gewinn. Sie allein ist gleichsam die bare Münze des Glücks und nicht wie alles andere bloß der Bankzettel, weil nur sie unmittelbar in der Gegenwart beglückt; weshalb sie das höchste Gut ist für Wesen, deren Wirklichkeit die Form einer unteilbaren Gegenwart zwischen zwei unendlichen Zeiten hat. - Aus: "Schopenhauer für Gestreßte", vgl. oben, S.17 -
 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

Die Bilder sind zum Anklicken. Hinter Ihnen steckt Alltags-

philosophie von Josef Mönninghoff. Bei ihm hatte ich in einer Jobkrise Anfang der 00er Jahre ein erfolgreiches persön-liches Coaching, das sich in 4 Punkten zusammenfassen lässt. Sie sind mein ständiger Begleiter geworden.

Fotos:  Claudie Pront 2008