Gunter Cornehl

Rückkehr von unserer Chinareise 2006

 

"China Tours" hat zwei weitere begeisterte Kunden. Unsere Wanderreise "Kaiserstädte, Zauberberge und Reisterrassen" vom 15.09. - 28.09.2006 war ein unvergessliches Erlebnis. Zuletzt 2001 in China kamen wir aus dem Staunen nicht mehr raus. Jeder Chinese scheint inzwischen ein Handy und eine digitale Fotokamera zu besitzen, auch die Yao-Frauen, die wir in den Bergen von Longsheng, in Südchina getroffen haben. Durch mehr als fünfhundert Jahre Fleißarbeit haben die Yaos und Zhuangs aus den steilen Berghängen die weltweit größten zusammenhängenden Reisfeldterrassen geschaffen - die "Treppen zum Himmel". Andächtig haben wir auf diese unglaubliche Landschaft geschaut.Im Streckenabschnitt von Simatai bis Jinshanling sind wir auf und entlang der Großen Mauer 4 Stunden gewandert. Weil dieser Abschnitt an etlichen Stellen wenig befestigt ist, sind hier nur sehr wenige Touristen unterwegs. Von "leichter Wanderung" (Prospekt "China Tours") konnte man aber nicht gerade reden. Steile hohe Stufen und beträchtliches Gefälle machten unseren Weg eher zum anspruchsvolleren Wanderpfad und so waren alle in der Gruppe froh und stolz, als wir es geschafft hatten und am Zielpunkt mit einem kühlen Getränk auf die einmalige Kulisse mit traumhafter Berglandschaft zurückblicken konnten. Die durch das Megaphon schnarrende, tiefe Bluesstimme des chinesischen Standverkäufers "Coka, beer, cheap, please, here" war umwerfend cool und hat uns schlaglichtartig in das Showbusiness katapultiert. Überhaupt, unsere "Wanderschatten" auf der Großen Mauer, die einfachen chinesischen Landfrauen, die schon 2001 sich an die Fersen jedes einzelnen Touristen geheftet hatten, in der Hoffnung Postkarten, Bildbände oder kühle Getränke an die Wanderer zu bringen, sie haben sich weitergebildet. Nicht nur, dass sie jetzt alle einige Brocken Englisch sprechen, sie können sogar deutsche, von französischen und spanisch sprechenden Touristen unterscheiden und gehen mit den entsprechenden nationalen Begrüßungsfloskeln auf ihre Kunden ein.In den großen Städten - wir waren in Shanghai, Xi'an und Peking - tobt der Bär. Am augenfälligsten ist die riesige Anzahl von jungen Leuten in den Straßen, Parks und Geschäften. Keine Scheu mehr sich als Liebespaar zu zeigen, wie noch 2001. Fast schon beängstigend der Hang zu Markenklamotten und "westlicher Mode", wie selbstverständlich all die Accessoires der Glitzerwelt von Paris, Rom und New York. Auf den Straßen ein Verkehrschaos. Es dürfte gegenüber 2001 leicht die 10 fache Menge an Autos unterwegs sein, fast die Hälfte bereits einheimische Marken. VW hat mit Citroen und Toyota/Honda zudem noch heftige ausländische Konkurrenz bekommen. Auch Luxuskarossen von BMW, Buick und Mercedes sind viel mehr zu sehen. Und es wird gebaut, was das Zeug hält. Noch viel mehr als vor fünf Jahren. Peking ist voll dabei sich für die Olympischen Spiele 2008 zu schmücken und in Shanghai schauen uns Michael Schumacher und Fernando Alonso auf riesigen Leuchtreklamen an. Das Land vibriert und wir haben den Eindruck, dass es überall einen großen Hunger auf Leben gibt, auf Anteilnahme an westlicher Zivilisation. Natürlich das alles mit seinen Schattenseiten. Wir haben auch gesehen, dass es viel mehr Bettler gibt auf den Straßen. Wir wissen, dass das Gesundheitssystem in China in einem katastrophalen Zustand ist und arme Menschen besser nicht krank werden sollten. Und wir wissen auch, dass wir so vieles gar nicht zu sehen kriegen, wie die Verarmung der Landbevölkerung.Trotzdem sind wir wieder einmal fasziniert von diesem Land und seinen quirligen, neugierigen und freundlichen Menschen. Und es gibt es noch, unser geliebtes "altes China" nicht nur in einigen Bergdörfern, sondern, neben den Hochhausblöcken und Wolkenkratzern auch in den vielen abgelegenen Straßen der Städte, die tausend Händler, Garküchen und Märkte mit den exotischen Gerüchen, den betörenden Farben und dem wunderbar lebendigem Treiben. Die meisten Hutongs werden nach und nach abgerissen, einige aber gibt es noch, andere werden gerade aufwändig renoviert, wahrscheinlich werden das die neuen In-Quartiere für reichere und kunstsinnige Menschen. Die Computer-Industrie von Xi'an kommt mit ihren Produkten sehr schnell auf den heimischen Markt, in der Regel etliche Wochen oder gar Monate bevor sie hier in Europa angeboten werden. Deshalb wissen wir, dass wir hier demnächst USB-Memory-Sticks mit 8 Gigabyte kaufen können. Als wir in Peking waren, haben wir es nicht glauben können, weil wir bisher in Hamburg noch nicht einmal von einer 4 Gigabyte-Version gehört hatten und dann sollte das Ganze auch nur umgerechnet 10,- Euro kosten. Heute flattert uns das erste Angebot vom "Media Markt" auf den Tisch: "USB Speicherstick mit sensationellen 8 Gigabyte für nur 85,- Euro".

 

Fotos Claudie Pront