Gertrud Mosberg - eine Annäherung / une approche / an approach

 

 

 

 

 

Doro Köster hat ihre kleinformatigen Arbeiten über Gertrud Mosberg auf Bildtafeln in der Galerie "Brackweder Kulisse" 2014 durcheinandergewirbelt präsentiert, wie es dem Leben Gertrud Mosbergs entspricht.

Ein Video erfordert ein „Erzählband“ und ist daher strukturierter, die Bildformate vergrößern sich enorm durch das Bildschirmformat. Wir schauen genau hin, sind nah dran.

Warum Gertrud Mosberg? schreibt Doro Köster. Warum eine Frau, von der es nur ein einziges undeutliches Kinderfoto gibt? Eine Frau, deren Träume, Sorgen, Freuden wir nie erfahren werden. Nur eine Kette von Daten existiert, mit Akribie in faschistischen Amtsstuben aufgeschrieben. Gertrud Mosberg ist wie eine leere Tafel. Ihr Leben ausgewischt. So steht sie für Millionen von Menschen, die im Faschismus verfolgt, gefoltert, ermordet wurden.

 

 

 

Ich versuche, die Scherben ihres Lebens aufzusammeln, ihnen ein Bild, ein Empfinden, eine Geschichte zu geben.

 

Die Bilder laufen durcheinander, so wie auch das Leben Gertrud Mosbergs. Fragmente. Zwischen bedrohlicher Musik: immer wieder Schaukelbilder. Ein kleines Mädchen, vielleicht so alt wie Gertrud Mosberg auf ihrem Kinderfoto. Die Schaukel: Ein Symbol für Unbeschwertheit und Freude, dafür, wie Gertrud Mosbergs Leben und das vieler anderer hätte sein sollen. Einige Bildmotive kehren variierend immer wieder. Die Gleise. Sie symbolisieren Gertrud Mosbergs Studien- und Lebensorte, Unternehmenslust. Aber auch: Gleise als Möglichkeit, vor der Deportation zu fliehen.

 

Die monochromen Bilder stehen für das Leere, das Verschwundene, das Nichtwissen, das Schweigen.

 

Die Röntgenaufnahmen, die Sprechzimmer: Symbole für Gertrud Mosbergs Arztberuf, Hilfe und Heilung. Oder Räume, in denen Naziärzte ihre grausamen Versuche machten? Die KZ Lampe hinterm Stacheldraht ähnelt der Schreibtischlampe im Sprechzimmer. Ein behaglicher Sessel gegen einen Stuhl, der keinen Boden findet. Das Muttergesicht dunkel hinter einer Röntgenaufnahme, sie verlor über all das Leid ihren Verstand.

 

Stacheldrähte, das KZ Ravensbrück, Häftlingskleidung, das Kinderbett ohne Boden und Schutz, all das spricht für sich. Ein Foto aus einem Deportationszug. Kleine Löcher sind ins Holz gebohrt. Welche Not kann man sich ausmalen!

 

Am Ende: Ein stummer Schrei in ein leeres Grau.

 

D o r o   K ö  s t e r, Juli 2017

www.dorokoester.de/vita.html

 

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